Heute morgen um halb Elf war es soweit: Die Spiel des Jahres Jury hat im Rahmen der alljährlichen Pressekonferenz die aktuellen Preisträger bekanntgegeben. Nachdem ich heute morgen wegen Netzproblemen nicht live twittern konnte, schreibe ich erst jetzt etwas dazu.

Die Gewinner sind

  •  Donald X. Vaccarino mit seinem Spiel Kingdom Builder als  Spiel des Jahres 2012
  • Inka und Markus Brand mit Village für das Kennerspiel des Jahres 2012

Herzlichen Glückwunsch an die Autoren

So äußert sich die Jury zu den Spielen

Das Spiel des Jahres 2012

Kingdom Builder von Donald X. Vaccarino (Queen Games)

Die Spieler besiedeln in diesem spannenden Aufbauspiel mit ihren jeweils 40 Holzhäuschen Wiesen, Canyons, Wüsten, Blumenfelder und Waldgebiete. Jeder schafft dabei sein eigenes Königreich. Herrscher am Spieltisch wird, wer am eifrigsten die drei Aufträge der Runde erfüllt, an Burgen angrenzend baut und die erworbenen Sonderaktionen gut nutzt. Während normalerweise nur das Weiterbauen am eigenen Königreich erlaubt ist, lernt etwa der Koppel-Besitzer schnell seine Besiedlungskarte zu schätzen, mit der er eine Siedlung um bis zu zwei Felder versetzen kann. Der variabel zusammensetzbare Spielplan, die immer wieder neue Kombination der Aufgabenkarten und die Zufälligkeit beim Nachziehen der Geländekarten sorgen dafür, dass jedes Königreich immer wieder anders erschaffen wird.

Begründung der Jury:
Ein amerikanischer Autor hat ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten erschaffen: Dank des variablen Spielplans und der hohen Zahl verschiedener Siegbedingungen gleicht kein Königreich dem anderen. Diese unterschiedlichen Ausgangslagen und eine Glückskomponente stellen die Spieler stets vor neue strategische Herausforderungen. Der einfache Einsetzmechanismus zeigt zwar nicht sofort seine Klasse, doch schon nach wenigen Partien entfaltet er seinen ganzen Reiz.

Das Kennerspiel des Jahres 2012

Village von Inka und Markus Brand (eggertspiele / Pegasus)

Neue Dorfbewohner werden geboren, verrichten wertvolle Arbeit und sterben schließlich: Village ist ein Spiegelbild des Lebens. Bis zu vier Generationen einer Familie machen im Dorf Karriere. Die Figuren ernten Getreide, züchten Nutztiere, produzieren Planwagen oder Pflüge. Sie verkaufen Waren, gehen in die Politik, werden Geistliche oder reisen herum. Bei all diesen Tätigkeiten gewinnen die Spieler an Einfluss, der ihnen beim strategischen Streben nach Ruhm hilft – und oft viel Zeit spart. Denn ohne die richtigen Einflusspunkte tickt die Uhr schneller. Immer wenn der Zeitstein die Brücke zum Jenseits überquert, geht eines der ältesten Familienmitglieder in die Dorfchronik ein oder wird in einem anonymen Grab beigesetzt. Die Dynastie mit den meisten Ruhmespunkten gewinnt.

Begründung der Jury:
Village bildet auf bislang einmalige Weise in einem Brettspiel das typische Leben in einem Dorf ab. Vor allem die Einbettung des Themas Tod ist so innovativ wie ungewöhnlich: Die Figuren gehören unterschiedlichen Generationen an, werden geboren und sterben. Dank des logischen Zeitmechanismus gehört der natürliche Rhythmus des Lebens wie selbstverständlich zu diesem schlüssig und übersichtlich komponierten Spiel, das zudem einlädt, allerlei Strategien auszuprobieren.

Während Village für die Anwesenden keine Überaschung war, kam der Sieg für Kingdom Builder für viele etwas unerwartet, da viele dieses Spiel eher in der Kennerspiel Kategorie gesehen hatten. Es wurden dieses Jahr also zwei eher anspruchsvolle Spiele ausgezeichnet, nachdem mit Dixit und Qwirkle eher sehr leicht zugängliche Spiele den Preis gewonnen haben. Viele befürchten deshalb, dass das aktuelle Spiel des Jahres wenig oder ungespielt nach Weihnachten in den Schränken verstauben wird, da dieses Spiel mehrere Partien benötigt, um vollständig erfasst zu werden.

Hier in der Spielwiese allerdings wird Kingdom Builder nicht verstauben. Es wird nämlich gar nicht erst angeschafft. Nachdem sich der Verlag im Gegensatz zu allen anderen nicht in der Lage sieht ein Exemplar für die Ludothek zur Verfügung zu stellen und man sich als kleiner Händler immer etwas unerwünscht bei Queen vorkommt, werde ich auch kein Exemplar kaufen.
Das soll jetzt allerdings nichts über die Qualität des Spieles sagen (das Spiel kommt bei meinen Angestellten sehr gut an) oder als Kritik an der Jury verstanden werden. Die Jury hat die letzten Jahre wirklich sehr gute Arbeit geleistet und dass sie sich durch die Probleme, die kleinen Händler mit dem Queen Spieleverlag haben nicht im geringsten beeinflussen lassen und immer das aus ihrer Sicht beste Spiel prämieren ist ihr hoch anzurechnen. Mich beeinflusst das jedoch schon. Ein Jury-Mitglied hat mir sogar ihr Privat-Exemplar von Kingdom Builder für die Spielwiese angeboten, das ich dankend abgelehnt habe. Denn entweder bekomme ich es direkt vom Verlag oder gar nicht. Schon aus Prinzip.

Deshalb ist mein Spiel des Jahr dieses Jahr ein anderes:

 Vegas von Rüdiger Dorn (alea)

Von allen nominierten Spielen ist dieses Spiel von den Gruppen hier in der Spielwiese am ehesten auf den Tisch gekommen und von den Spielern, die es schon kannten am häufigsten wieder gespielt worden. Da das Publikum in der Spielwiese schon eher Gelegenheitsspieler und damit absolut die Zielgruppe für das Spiel des Jahres sind, erfüllt dieses Spiel für mich alle Kriterien um, wenn schon nicht als offizielles Spiel des Jahres 2012 ausgezeichnet zu werden, aber von mir den rein subjektiv und völlig undemokratisch bestimmten Titel Spielwiesen Spiel des Jahres zu bekommen. War halt mein Favorit. Punkt.

Hier zitiere ich mal wieder die SDJ Jury:
Zocken wie in Las Vegas: Nach dem Würfeln wählt jeder aus seinen anfangs acht Würfeln all die Würfel einer Augenzahl und setzt sie auf das Casino derselben Ziffer, also zum Beispiel die Fünfer-Würfel auf Casino Nummer fünf. Die ausliegenden Gewinne in den sechs Casinos sind sehr unterschiedlich. Daher sind Taktik, Glück und ein wenig Nervenstärke gefragt: Wer räumt zum Schluss die Casinos mit hoher Ausschüttung ab? Mitunter kann schon mit ein, zwei Würfeln ein guter Gewinn erzielt und der höchste Geldschein abgegriffen werden. Allerdings: Haben Spieler in einem Casino gleich viele Würfel platziert, gehen alle leer aus. Noch mehr Nervenkitzel kommt in der Version mit neutralen Würfeln auf. Bei der spannenden Zockerei für jedermann entscheidet häufig erst der letzte Wurf, wer die meisten Dollar erhält.

Begründung der Jury:
Mit einfachen Mitteln schafft es Vegas, das Wohnzimmer in ein familientaugliches Zockerparadies zu verwandeln: Wie in einem echten Casino steigt mit jedem Einsatz die Spannung. Mit jedem Würfelwurf pendeln die Spieler zwischen Hauptgewinn und Niete – das fesselt! Entsprechend schwanken die Emotionen zwischen Hochgefühl, Ärger und Schadenfreude. Und das vor allem dann, wenn die elektrisierten Zocker das Glück mit ein wenig Taktik und Risiko auch mal erzwingen.

So, vielleicht geschieht ja noch ein Wunder und Queen schickt mir noch ein Exemplar. Ich rechne aber nicht damit und melde mich erst mal in den Urlaub ab.
Bis 5. August gelten noch die Sommer-Öfnungszeiten, danach geht alles wieder seinen gewohnten Gang.

UPDATE:

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Während ich im Urlaub war hat mir Queen tatsächlich ein Exemplar von Kingdom Builder zugeschickt. Vielen Dank dafür! Wenn sich hier eine  Änderung in der Beziehung andeutet würde es mich freuen.

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