Am Montag wurden in Berlin das aktuelle Kennerspiel des Jahres und der Hauptpreis, das aktuelle Spiel des Jahres bekannt gegeben.
Ausgezeichnet als Spiel des Jahres wurde Colt Express von Christophe Raimbault (ludonaute), sowie als Kennerspiel Broom Service von Andreas Pelikan und Alexander Pfister (alea). Gratulation den Autoren und Verlagen.
Selten fand ich es so schwer die Gewinner vorher zu sehen. Denn ausnahmslos alle nominierten und auch alle „nur“ empfohlenen Spiele hätten dieses Jahr den Preis verdient. Tom Felber wies in seiner Rede deshalb auch zurecht darauf hin, dass es in diesem Jahr nur Gewinner gäbe und man als Presse oder Spieler auch die Empfehlungslisten nicht ignorieren sollte. Oft konnte ich die Preisträger sehr gut voraussagen, einfach, indem ich euch hier in der Spielwiese beim Spielen beobachte. Dieses Jahr allerdings wurden alle Spiele sehr gerne gespielt. „Cacao“ als „nur“ empfohlenes und „The Game“, als nominiertes Spiel, vielleicht etwas öfter, aber da es unwahrscheinlich war, dass die Jury nach Hanabi nicht wieder ein kleines, kooperatives Kartenspiel auszeichnen wird, war es dieses Jahr schwer. Interessant an der diesjährigen Entscheidung finde ich lediglich, dass das ausgezeichnete Kennerspiel einen gefühlt leichteren Einstieg bietet, als das Familienspiel. Aber da sich das nur auf das erste Spiel bezieht, sind beide als typische Weihnachtsgeschenke besser geeignet, als andere Preisträger vorher.
Hier der Link zum Kommentar des Jury Präsidenten Tom Felber zum diesjährigen Spielejahrgang: http://www.spieldesjahres.de.

Immer mehr internationale Autoren finden auch den Weg in die Spielwiese. Neben Bruno Faidutti, Bruno Cathala, William Attia und Michael Menzel, und nachdem vor kurzem Matthew Dunstan, einer der Autoren von Elysium am montäglichen Autorenstammtisch teilnahm, waren diesen Montag Andreas Pelikan (Broom Service) und Masao Suganuma (Machi Koro), zusammen mit Wolfang Lüdtke von Kosmos und Nobuaki Taberuke (Japon Brand) am Abend nach der Preisverleihung anwesend.

Aber es gibt noch mehr zu berichten:

Am Wochenende vor der Preisverleihung fand zudem die erste BerlinCon, organisiert von Hunter&Cron statt. Trotz der Hitze haben sich viele Verlage, Autoren und Spieler aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland eingefunden. Außerdem wurde die komplette Veranstaltung ins Internet gestreamt und ist auch jetzt noch, in wechselnder Qualität, auf youtube verlinkt.
Ich war an beiden Tagen vor Ort und war sehr angetan von der Organisation, dem Team, der sehr entspannten Stimmung und dem Catering (die Reihenfolge ist zufällig).
Beide Tage waren sehr gut besucht, die Turniere zum Teil bis auf den letzten Platz besetzt. Interessant war leider der geringe Anteil an Berliner Spielern. Eventuell kann man die Temperaturen dafür verantwortlich machen, dass wenige Familien den Weg in die erstaunlich kühlen Räume fanden, aber dass von den meisten anderen Berliner Spieletreffs trotz Einladung so gut wie niemand vor Ort war ist mehr als peinlich und vielleicht aus symptomatisch für die Berliner (Viel-)Spielerszene: Anstatt sich zu freuen, dass es endlich mal geklappt hat, eine solche Veranstaltung in Berlin auf die Beine zu stellen, scheint man es den anderen nicht zu gönnen, weil der eigene Name nicht hinter der Veranstaltung steht. Dass es endlich einmal jemand geschafft hat, eine über die Grenzen der Stadt wahrgenommene Veranstaltung zu organisieren, sollte kein Neid hervorrufen.
Die Platzhirsche würden gut daran tun, die BerlinCon nicht als Konkurrenz zu betrachten, sondern als Bereicherung der großen und aktiven Berliner Spieleszene. Springt bitte nächstes Jahr über euren Schatten und schaut einfach mal vorbei. Ihr werdet etwas verpassen, wenn ihr es nicht tut. Ich persönlich würde mich auch wirklich freuen, wenn der Beweis angetreten wird, dass ich mit meinen Behauptungen absolut daneben liege.