{"id":6500,"date":"2026-09-06T14:00:09","date_gmt":"2026-09-06T12:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/team-spielwiese.de\/?page_id=6500"},"modified":"2026-09-06T14:00:12","modified_gmt":"2026-09-06T12:00:12","slug":"20-jahre-spielwiese-die-geschichte-der-brettspielcafes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/team-spielwiese.de\/en\/20-jahre-spielwiese-die-geschichte-der-brettspielcafes\/","title":{"rendered":"20 Jahre Spielwiese: Die Geschichte der Brettspielcaf\u00e9s"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute gibt es Brettspielcaf\u00e9s in vielen St\u00e4dten der Welt. Das Prinzip erscheint selbstverst\u00e4ndlich: Man trifft sich mit Freunden, sucht sich ein Spiel aus einer gro\u00dfen Bibliothek aus, bestellt etwas zu trinken und verbringt gemeinsam einige Stunden am Spieltisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das Brettspielcaf\u00e9, wie wir es heute kennen, ist ein vergleichsweise junges Ph\u00e4nomen. Seine Geschichte f\u00fchrt von fr\u00fchen Spielekneipen \u00fcber einen regelrechten Brettspielcaf\u00e9-Boom in S\u00fcdkorea bis zu modernen Caf\u00e9s in Europa und Nordamerika.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und mitten in dieser Geschichte befindet sich seit 2006 auch die Spielwiese in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ist eigentlich ein Brettspielcaf\u00e9?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grenze zwischen einer Kneipe mit ein paar Spielen im Regal und einem Brettspielcaf\u00e9 ist nicht eindeutig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schach wurde schlie\u00dflich schon vor Jahrhunderten in Kaffeeh\u00e4usern gespielt, und auch Spielkarten, Backgammon oder andere Gesellschaftsspiele geh\u00f6rten lange zur europ\u00e4ischen Caf\u00e9- und Kneipenkultur.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das moderne Brettspielcaf\u00e9 geht jedoch einen Schritt weiter: Das Spielen ist nicht blo\u00df eine zus\u00e4tzliche Besch\u00e4ftigung, sondern ein wesentlicher Teil des Gesch\u00e4ftsmodells. Typisch sind eine gr\u00f6\u00dfere Spielebibliothek, geeignete Tische und l\u00e4ngere Aufenthaltszeiten. H\u00e4ufig kommen eine Spiel- oder Tischgeb\u00fchr, Beratung bei der Spieleauswahl und Regelerkl\u00e4rungen hinzu. Manche Brettspielcaf\u00e9s verbinden dies au\u00dferdem mit einem Spieleladen oder einem Verleih.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem <strong>\u201eersten Brettspielcaf\u00e9 der Welt\u201c<\/strong> ist deshalb schwierig. Je nachdem, wie eng man den Begriff definiert, k\u00f6nnen unterschiedliche Vorl\u00e4ufer als Ausgangspunkt gelten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">S\u00fcdkorea und der Beginn des modernen Brettspielcaf\u00e9s<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als eine der wichtigsten Geburtsst\u00e4tten des modernen Brettspielcaf\u00e9s gilt <strong>S\u00fcdkorea<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits Anfang der 2000er-Jahre entwickelte sich insbesondere in Seoul eine ausgepr\u00e4gte Brettspielcaf\u00e9-Kultur. Ein zeitgen\u00f6ssischer Bericht der <em>Korea JoongAng Daily<\/em> beschreibt im M\u00e4rz 2003 eine schnell wachsende Szene als Alternative zu den damals allgegenw\u00e4rtigen PC-Bangs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Beispiel war \u201ePaperiyagi\u201c. Dessen Filiale im Seouler Viertel Sinchon verf\u00fcgte damals \u00fcber rund 150 Spiele (viele davon aus Deutschland) und besch\u00e4ftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den G\u00e4sten die Regeln erkl\u00e4rten. Nach Angaben des damaligen Berichts kamen etwa 300 G\u00e4ste pro Tag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch andere Caf\u00e9s entstanden in dieser Zeit. Das noch Jahre sp\u00e4ter als \u00e4ltestes Brettspielcaf\u00e9 im Stadtteil Sinchon bezeichnete \u201eFun Caf\u00e9\u201c gibt seine Er\u00f6ffnung mit 2002 an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entwicklung nahm schnell enorme Ausma\u00dfe an. Ver\u00f6ffentlichungen zur koreanischen Spielkultur dokumentieren bereits f\u00fcr die fr\u00fchen 2000er-Jahre eine schnell wachsende Zahl von Brettspielcaf\u00e9s in Seoul.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit waren wesentliche Elemente des heutigen Brettspielcaf\u00e9-Konzepts bereits vorhanden: eine umfangreiche Spieleauswahl, eine Geb\u00fchr f\u00fcr die Nutzung, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Spiele empfehlen und erkl\u00e4ren, und vor allem die Idee, einen \u00f6ffentlichen sozialen Raum rund um das gemeinsame Spielen zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiterlesen:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.koreajoongangdaily.com\/lifestyle\/move-over-starcraft-gamers-go-offline-at-seouls-board-game-cafes\/10037325\">Korea JoongAng Daily \u2013 \u201eMove over Starcraft, gamers go offline at Seoul\u2019s board game cafes\u201c<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von Korea nach China<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Konzept verbreitete sich anschlie\u00dfend in weiteren Teilen Ostasiens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders deutlich wurde dies in chinesischen Gro\u00dfst\u00e4dten. Anfang der 2010er-Jahre berichteten internationale Medien bereits von einer gro\u00dfen Zahl von Brettspielcaf\u00e9s allein in Peking.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch dort war die soziale Komponente entscheidend. Brettspielcaf\u00e9s boten jungen Menschen einen Ort, um sich au\u00dferhalb der eigenen Wohnung zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen. Statt anonym gegeneinander am Computer zu spielen, sa\u00df man wieder gemeinsam an einem Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Typisch waren gro\u00dfe Spielebibliotheken, lange \u00d6ffnungszeiten, g\u00fcnstige Eintrittspreise und Personal, das Spiele erkl\u00e4ren konnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Brettspielcaf\u00e9s in Europa noch eine Besonderheit waren, hatte sich das Konzept in Teilen Ostasiens damit bereits zu einer eigenst\u00e4ndigen Freizeitkultur entwickelt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Deutschland: Spielekneipen noch vor dem gro\u00dfen Caf\u00e9-Trend<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland nahm eine interessante Sonderrolle ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Brettspielszene existierte hier nat\u00fcrlich schon lange. Spielevereine, private Spielgruppen, Spieletreffs und Gastst\u00e4tten mit Gesellschaftsspielen waren nichts Neues.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einige Betriebe gingen aber bereits in den 1990er- und fr\u00fchen 2000er-Jahren deutlich weiter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bemerkenswert war die <strong>Triangel in Dresden<\/strong>: Die \u201etotal verspielte Kneipe\u201c wurde nach den verf\u00fcgbaren Quellen bereits <strong>1998<\/strong> gegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Triangel war weit mehr als eine Kneipe mit Monopoly im Regal. Zeitgen\u00f6ssische Beschreibungen sprechen von mehr als 600 Spielen aus zahlreichen Kategorien. Die G\u00e4ste konnten aus einer eigenen Spielekarte w\u00e4hlen und gegen eine Geb\u00fchr w\u00e4hrend des gesamten Besuchs spielen. Gro\u00dfe Tische, Spieleberatung und eine umfangreiche Speisekarte geh\u00f6rten ebenfalls zum Konzept.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Diskussion \u00fcber \u201eSpiele-Caf\u00e9s\u201c aus dem Jahr 2004 wurde die Triangel ausdr\u00fccklich als <strong>\u201eSpiele-Caf\u00e9 bzw. Spiele-Wirtshaus\u201c<\/strong> bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie war damit ein sehr fr\u00fcher deutscher Vorl\u00e4ufer des modernen Brettspielcaf\u00e9s.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Triangel existierte bis 2017. Die eng mit ihr verbundenen Brettspielhelden Dresden erinnern noch heute an die Spielekneipe und ihre Bedeutung f\u00fcr die Dresdner Brettspielszene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiterlesen:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.spielen.de\/forum\/viewtopic.php?t=131741\">Zeitgen\u00f6ssische Diskussion \u00fcber Spiele-Caf\u00e9s auf spielen.de<\/a> und <a href=\"https:\/\/brettspielhelden-dresden.de\/2023\/10\/umzug-des-montagsspieletreffs-in-johannstadthalle\/\">Brettspielhelden Dresden zur Geschichte der Triangel<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Auch Stuttgart hatte fr\u00fch eine Spielegastst\u00e4tte<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Triangel war offenbar nicht der einzige fr\u00fche Betrieb dieser Art.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits im Juli 2002 wird in einem zeitgen\u00f6ssischen Spieleforum die <strong>Gastst\u00e4tte Flurwirt in Stuttgart-Bad Cannstatt<\/strong> mit \u201e\u00fcber 600 Spielen\u201c empfohlen. In der Diskussion \u00fcber Spielecaf\u00e9s von 2004 taucht der Flurwirt erneut ausdr\u00fccklich als \u201eSpielegastst\u00e4tte\u201c auf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zeigt, dass es in Deutschland bereits vor der Entstehung der heutigen Brettspielcaf\u00e9-Welle einzelne gastronomische Konzepte mit gro\u00dfen Spielesammlungen gab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Quellenlage zu diesen fr\u00fchen Betrieben ist allerdings l\u00fcckenhaft. Viele Webseiten aus dieser Zeit sind verschwunden, und \u201eBrettspielcaf\u00e9\u201c war noch kein einheitlich verwendeter Begriff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb w\u00e4re es historisch problematisch, einem einzelnen Betrieb ohne Einschr\u00e4nkung den Titel <strong>\u201eerstes Brettspielcaf\u00e9 Deutschlands\u201c<\/strong> zuzuschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.spielen.de\/forum\/viewtopic.php?t=359054\">spielen.de \u2013 \u201eSpieletreff in Stuttgart\/Umgebung\u201c, zeitgen\u00f6ssischer Beitrag von 2002<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2006: Die Spielwiese entsteht in Berlin<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Umfeld gr\u00fcndete <strong>Michael Schmitt Ende 2006 die Spielwiese in Berlin-Friedrichshain<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Idee entstand nicht einfach aus dem Wunsch, eine weitere Spielekneipe zu er\u00f6ffnen. Ein Spielecaf\u00e9 mit angeschlossenem Spieleverleih sei bereits w\u00e4hrend seiner Studienzeit sein Traum gewesen, schreibt Schmitt r\u00fcckblickend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Konzept der Spielwiese setzte einen anderen Schwerpunkt als die klassische Spielekneipe: Nicht die Gastronomie sollte der eigentliche Anlass des Besuchs sein, sondern das gemeinsame Spielen und die Begegnung mit anderen Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schmitt beschrieb diese Abgrenzung sp\u00e4ter selbst. Die Dresdner Triangel habe ihn zwar sehr beeindruckt, dort habe aus seiner Sicht jedoch die Gastronomie im Vordergrund gestanden und das Spielen als au\u00dfergew\u00f6hnlich umfangreiches Zusatzangebot gedient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Spielwiese wollte er dagegen einen Treffpunkt schaffen, an dem Menschen auch ohne gro\u00dfe Vorkenntnisse zusammenkommen und \u00fcber Brettspiele miteinander in Kontakt treten konnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus entstand die Kombination, die die Spielwiese bis heute pr\u00e4gt:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ludothek, Caf\u00e9 und Spieleladen unter einem Dach.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Michael Schmitt selbst ordnet die Spielwiese r\u00fcckblickend als <strong>\u201eeines der ersten Brettspiel-Caf\u00e9s\u201c<\/strong> ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiterlesen:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.abenteuer-brettspiele.de\/interviews\/spielecafe-autoren-treff-verlags-start-michael-schmitt-von-edition-spielwiese\">Interview mit Michael Schmitt bei Abenteuer Brettspiele<\/a> und <a href=\"https:\/\/edition-spielwiese.de\/impressum-2\/\">Edition Spielwiese \u2013 die Geschichte hinter Spielwiese und Verlag<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Ort f\u00fcr Spieleautoren entsteht<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bedeutung der Spielwiese beschr\u00e4nkte sich schon bald nicht mehr auf den Caf\u00e9betrieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz nach der Er\u00f6ffnung entstand der regelm\u00e4\u00dfige Berliner Spieleautoren-Stammtisch. Dort werden bis heute Prototypen gespielt, diskutiert und weiterentwickelt. Autorinnen und Autoren aus Berlin und dar\u00fcber hinaus nutzen die Spielwiese als Treffpunkt und Testumgebung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus diesem Umfeld entwickelte sich sp\u00e4ter sogar ein eigener Verlag: Michael Schmitt gr\u00fcndete 2016 die <strong>Edition Spielwiese<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deren erstes Spiel war <em>Cottage Garden<\/em> von Uwe Rosenberg. Sp\u00e4ter erschienen dort unter anderem <em>Nova Luna<\/em> und <em>MicroMacro: Crime City<\/em>. Letzteres wurde 2021 zum <strong>Spiel des Jahres<\/strong> gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit wurde aus einem Brettspielcaf\u00e9 \u00fcber die Jahre auch ein kleiner Knotenpunkt der deutschen Autorenspielszene.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quelle:<\/strong> <a href=\"https:\/\/edition-spielwiese.de\/\">Edition Spielwiese<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2010: Snakes &amp; Lattes und der internationale Durchbruch<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die Spielwiese in Berlin bereits seit mehreren Jahren existierte, er\u00f6ffnete 2010 im kanadischen Toronto <strong>Snakes &amp; Lattes<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Caf\u00e9 startete mit einer umfangreichen Spielebibliothek und wuchs schnell. Sein Modell \u2013 gro\u00dfe Spieleauswahl, Eintrittsgeb\u00fchr, Gastronomie und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Spiele empfehlen und erkl\u00e4ren \u2013 wurde international bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Snakes &amp; Lattes wird deshalb gelegentlich als Ursprung des modernen westlichen Brettspielcaf\u00e9s dargestellt. Historisch greift das allerdings zu kurz: Sowohl in Ostasien als auch in Deutschland gab es deutlich \u00e4ltere Beispiele.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine besondere Bedeutung liegt vielmehr darin, dass Snakes &amp; Lattes das Konzept in Nordamerika und anschlie\u00dfend in vielen anderen westlichen L\u00e4ndern sichtbar und kopierbar machte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Brettspielhistoriker Tristan Donovan beschreibt S\u00fcdkorea als wichtigen Ausgangspunkt des dedizierten Brettspielcaf\u00e9s, w\u00e4hrend das Konzept sp\u00e4ter auch in Nordamerika und Europa gr\u00f6\u00dfere Verbreitung fand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiterlesen:<\/strong> Tristan Donovan, <em>It&#8217;s All a Game: A Short History of Board Games<\/em>, Atlantic Books, 2017.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2012\/2013: Das Konzept erreicht Gro\u00dfbritannien<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenig sp\u00e4ter entstanden in Gro\u00dfbritannien Caf\u00e9s nach diesem Modell.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Thirsty Meeples<\/strong> in Oxford er\u00f6ffnete Anfang der 2010er-Jahre und gilt als eines der ersten modernen Brettspielcaf\u00e9s Gro\u00dfbritanniens. Das Caf\u00e9 verband eine gro\u00dfe Spielebibliothek mit sogenannten \u201eGame Gurus\u201c, die bei der Auswahl halfen und Regeln erkl\u00e4rten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2014 folgte <strong>Draughts<\/strong> in London. Der <em>Guardian<\/em> berichtete damals \u00fcber das neue Londoner Brettspielcaf\u00e9 und den sich entwickelnden Brettspielcaf\u00e9-Trend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist der zeitliche Vergleich:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Als die ersten heute weithin bekannten britischen Brettspielcaf\u00e9s er\u00f6ffneten, existierte die Spielwiese in Berlin bereits seit rund sechs Jahren.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weiterlesen:<\/strong> <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/travel\/2014\/jul\/16\/london-first-board-game-cafe-draughts-hackney\">The Guardian \u2013 \u201eLondon&#8217;s first board game cafe to open in Hackney\u201c<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Nischenkonzept zum internationalen Ph\u00e4nomen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den folgenden Jahren verbreitete sich das Modell weltweit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute unterscheiden sich Brettspielcaf\u00e9s erheblich voneinander. Manche \u00e4hneln klassischen Caf\u00e9s mit gro\u00dfer Spielebibliothek, andere eher Bars oder Restaurants. Einige verlangen Eintritt, andere rechnen nach Stunden ab. Wieder andere kombinieren Caf\u00e9, Spielehandel, Veranstaltungen und Verleih.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinsam ist ihnen eine Idee, die schon die fr\u00fchen koreanischen Caf\u00e9s, die Dresdner Triangel und die Berliner Spielwiese verband:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Menschen kommen nicht nur wegen eines Getr\u00e4nks zusammen. Sie kommen, um miteinander zu spielen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade in einer zunehmend digitalen Freizeitwelt ist daraus ein bemerkenswert best\u00e4ndiges Konzept geworden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Und wo steht die Spielwiese historisch?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach unserer Recherche w\u00e4re es falsch, die Spielwiese als <strong>\u201eerstes Brettspielcaf\u00e9 Deutschlands\u201c<\/strong> zu bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Dresdner Triangel ab 1998 und weiteren fr\u00fchen Spielegastst\u00e4tten gab es bereits vorher vergleichbare Konzepte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die historische Bedeutung der Spielwiese liegt an anderer Stelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als sie Ende 2006 er\u00f6ffnete, waren dedizierte Brettspielcaf\u00e9s in Europa noch eine Ausnahme. Der internationale Erfolg von Snakes &amp; Lattes begann erst 2010, die bekannten britischen Brettspielcaf\u00e9s folgten Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Spielwiese geh\u00f6rt damit zur <strong>fr\u00fchen Generation der europ\u00e4ischen Brettspielcaf\u00e9s<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt ihr besonderes Konzept als Ludothek, Caf\u00e9 und Laden sowie der seit den Anfangsjahren bestehende Spieleautoren-Treff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und noch etwas ist bemerkenswert: Die \u00e4lteren deutschen Beispiele, die wir bei unserer Recherche finden konnten, existieren heute nicht mehr in ihrer damaligen Form. Die Dresdner Triangel schloss 2017.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen heute noch bestehenden deutschen Brettspielcaf\u00e9-Betrieb, dessen Gr\u00fcndung vor 2006 zweifelsfrei belegt werden konnte, haben wir bei unserer Recherche bislang nicht gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb l\u00e4sst sich der heutige Stand unserer Recherche so zusammenfassen:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Spielwiese ist seit 2006 eines der \u00e4ltesten Brettspielcaf\u00e9s Deutschlands und geh\u00f6rt zur fr\u00fchen Generation moderner Brettspielcaf\u00e9s in Europa. Nach unserer bisherigen Recherche ist sie wahrscheinlich sogar das \u00e4lteste noch bestehende Brettspielcaf\u00e9 Deutschlands.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Letzteres formulieren wir bewusst als Rechercheergebnis und nicht als unumst\u00f6\u00dflichen Rekord. Ein vollst\u00e4ndiges historisches Register deutscher Brettspielcaf\u00e9s existiert nicht, und gerade kleine Spielekneipen und Caf\u00e9s aus den 1990er- und fr\u00fchen 2000er-Jahren sind im Internet teilweise nur noch fragmentarisch dokumentiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sicher ist dagegen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Seit 2006 dreht sich in der Spielwiese in Berlin-Friedrichshain alles ums gemeinsame Spielen. 2026 sind das zwanzig Jahre Brettspielcaf\u00e9-Geschichte.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Quellen und weiterf\u00fchrende Links<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Internationale Entwicklung<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.koreajoongangdaily.com\/lifestyle\/move-over-starcraft-gamers-go-offline-at-seouls-board-game-cafes\/10037325\">Korea JoongAng Daily: \u201eMove over Starcraft, gamers go offline at Seoul\u2019s board game cafes\u201c<\/a>, 12. M\u00e4rz 2003.<\/li>\n\n\n\n<li>Jung Da-il: \u201eFun-caf\u00e9: Oldest Board-game Caf\u00e9 in Sinchon\u201c, <em>The Yonsei Annals<\/em>, 29. November 2020.<\/li>\n\n\n\n<li>Tristan Donovan: <em>It&#8217;s All a Game: A Short History of Board Games<\/em>, Atlantic Books, 2017.<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/travel\/2014\/jul\/16\/london-first-board-game-cafe-draughts-hackney\">The Guardian: \u201eLondon&#8217;s first board game cafe to open in Hackney\u201c<\/a>, 16. Juli 2014.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fr\u00fche Spielecaf\u00e9s und Spielegastst\u00e4tten in Deutschland<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.spielen.de\/forum\/viewtopic.php?t=131741\">spielen.de: Diskussion \u201eSpiele-Caf\u00e9s?\u201c<\/a>, M\u00e4rz\/April 2004. Zeitgen\u00f6ssische Diskussion unter anderem \u00fcber die Triangel in Dresden und den Flurwirt in Stuttgart.<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.spielen.de\/forum\/viewtopic.php?t=359054\">spielen.de: \u201eSpieletreff in Stuttgart\/Umgebung\u201c<\/a>, mit einem zeitgen\u00f6ssischen Hinweis von 2002 auf den Flurwirt und dessen gro\u00dfe Spielesammlung.<\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/brettspielhelden-dresden.de\/2023\/10\/umzug-des-montagsspieletreffs-in-johannstadthalle\/\">Brettspielhelden Dresden: Informationen zur Geschichte des Spieletreffs und der Triangel<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Spielwiese<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/team-spielwiese.de\/en\/\">Spielwiese Berlin<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/edition-spielwiese.de\/\">Edition Spielwiese<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.abenteuer-brettspiele.de\/interviews\/spielecafe-autoren-treff-verlags-start-michael-schmitt-von-edition-spielwiese\">Abenteuer Brettspiele: Interview mit Michael Schmitt \u2013 \u201eSpielecafe, Autoren-Treff, Verlags-Start\u201c<\/a>, 2. Juli 2019.<\/li>\n\n\n\n<li>J\u00f6rn Morisse\/Felix Gebhard: <em>Zeit f\u00fcr Brettspiele<\/em>, Ventil Verlag, 2020.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute gibt es Brettspielcaf\u00e9s in vielen St\u00e4dten der Welt. Das Prinzip erscheint selbstverst\u00e4ndlich: Man trifft sich mit Freunden, sucht sich ein Spiel aus einer gro\u00dfen Bibliothek aus, bestellt etwas zu trinken und verbringt gemeinsam einige Stunden am Spieltisch. Doch das Brettspielcaf\u00e9, wie wir es heute kennen, ist ein vergleichsweise junges Ph\u00e4nomen. 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